Bericht


Trümmerblüte - Trümmerschule

Doch in den Trümmern leuchtet Hoffnung

Otto Hegnauer


(wird fortgeschrieben, letzte Ergänzung 26. November 2012)

Zitate unter "www.swissfot.ch" erlaubt und sogar erbeten!

Das Schulhaus

Schulhaus im  Werden

Lehrerinnen sind Mütter

Koordinaten nach Google-Earth 18°29'57.04" N / 72°17'6.06" W

Das ist unsere Trümmerschule. So begann sie im September 2011 mit 40 Strassenkindern, und heute sind es schon über 100. Es ist eine Schule für die Gegenwart. Weil man die Gegenwart gernevergisst vor lauter Planen. Denn man plant nur für die Zukunft. Und die ist viel später. Man vergisst, dass Leben in der Gegenwart spielt.

Du weisst, seit dem Schreckensbeben bin ich ein anderer Mensch. Nicht nur dass ich neue Eigenschaften habe, zum Beispiel bin ich generell äusserst schreckhaft, das war ich vorher nie, ich habe Angst vor allem und jedem, die kannte ich auch nicht (ich schlief bei Löwen im Freien, war in Höhlen eingeschlossen und überlebte Flugzeugabstürze). Ich war materiell "reich", jetzt bin ich reich an Glücksgütern wie Erinnerungen und Erlebnissen, ich war ein unverbesserlicher Egoist und vertat alles für mich, jetzt habe ich mein Geld abgegeben, den Menschen, die mich betreut und gerettet haben. Alles was mir gehörte gehört jetzt uns, meine AHV (Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung) ist unsere Quelle hier, ganz ohne geht es nicht. Und die Menschen hier, die mir das Leben gerettet haben, holen was sie brauchen. Das ist nicht viel.

Ich wohne in einer Gemeinschaft, viele Kinder, keine Ausbildung, aber lauter gute Herzen. Die betreuen mich besser als ich es mir je vorstellen konnte. So lebt unsere WG (Wohngemeinschaft) von meiner AHV und einigen Verkaufseinkünften. Das muss erst noch für die Schule reichen, auch Freunde und Leser helfen mir dabei.

Denn in Lakou-mango, so heisst unser Bergquartier und auch die Gemeinschaft, gibt es nur eine teure Schule, aber viele Kinder auf der Gasse, die sich die Schule nicht leisten können. Also machen das die Eltern gemeinsam (ohne Ausbildung), und ich helfe im Hintergrund: als Berater und Reporter. Das ist ein Ergebnis davon. Vor Jahren hat mich ein Schweizer Unternehmen gebeten, in meiner Internetseite Links platzieren zu dürfen. Ich habe das bisher gratis aus Freude gemacht, ab jetzt bitte ich um freiwillige Beiträge an unsere Schule. Das Unternehmen hat zugesagt und gespendet.

Die Bergschule ESMONO liegt unten in einer Erosionsschlucht auf Montagnes Noires. Ich bin über 80 und etwas unbeweglich, die Klettertour hinunter zur Schule wage ich kaum mehr und nur mit ausgesuchter Begleitung. So war es heute, ich wollte einige Fotos aufnehmen für diesen Bericht. Als ich ankam, war gerade 10 Uhr-Pause. Das Spiel der Schüler auf dem Pausenplatz war derart köstlich, dass das einmal eine eigene Geschichte geben muss.

in der Schule

Hinter dem Pausenplatz, am Fusse der Schluchtwand zur Trümmerburg hinauf (wie ich mein Quartier nenne), das "Schulhaus". Es ist die Bauruine eines Wohnhauses, die uns der Besitzer vertraglich und gratis zur Nutzung für zwei Jahre zugesagt hat. Wir haben das inzwishen auf drei Jahre verlängert. Sie ist nicht mit einer gesponserten Schule vergleichbar, ich hab ja geschildert, wovon sie lebt. Aber sie läuft. Sie frisst nicht Milliarden, nur ein paar Spenden von Freunden, und meine AHV. Türen und Fenster fehlten am Anfang, kein Strom und kein Licht (das Licht auf den Fotos stammt vom Cam-Blitz). Alle Erwachsenen arbeiteten im ersten Jahr gratis, jetzt reicht es für einen bescheidenen Lohn. Die Löhne für das zweite Jahr sind schon gespendet.

Die Grösseren tragen jeden Tag sauberes Wasser her und stellen das Fass vor Schulbeginn vor das Schulhaus, denn rundum grassiert die Cholera und holt sich immer noch ihre Opfer. Die Kinder lernen wie man das vermeiden kann, vor dem Eintritt in die Schule richtig die Hände zu waschen, bis hinten zu den Ellbogen und rund um die Fingernägel. Eine Lehrerin kontrolliert das akribisch. Wie der Präsident, der täglich Händewasch am Fernsehen vorzeigt, oder der Rockpopper, der kreolische Compas zum Händewäschen fetzt, und das Volk fetzt mit.

Die Lehrmittel an den Wänden haben Mütter gemalt, manchmal mit Hilfe der Väter und Kinder. Dann waren die Wände kahl, Regen hatte die Lehrmittel zerstört. Sie mussten neu erstellt werden. Die Kinder lernten am Anfang das ABC ab Etiketten und Aufdrucken auf Büchsen, Cartons, Dosen, Reklamedrucken, Medikamenten gegen Kopfschmerzen und Cholera, Sprache und Inhalt spielten zunächst keine Rolle. Buchstaben und Zahlen gibt es überall, die Knirpse sind aufgefordert, solche zu entdecken und mitzubringen. Es gilt zunächst, Buchstaben kennen zu lernen. Manchmal ist sogar eine fremde Schrift darunter, Chinesisch oder Arabisch, das gibt dann besonderen Stoff. Allmählich entdecken die Knirpse, dass sich dahinter ja Inhalte verstecken. Und Sprache, denn man kann die Buchstaben so aussprechen, dass man sie versteht oder nicht versteht. All das lässt sich in der ESMONO, der Ecole Soleil sur les MOntagnes NOires (Sonne über den Schwarzen Bergen) in Lakou-mango lernen, der Schule unter dem Mangobaum. Dann kamen gespondserte Bücher und Lehrmittel dazu.

Mit den Ziffern ist es ähnlich. Von Ziffern und Zahlen zum Rechnen ist nur ein Schrittchen, sogar für die Knirpse von Lakou-mango klein genug. Dass die Dinger "Alphabet" und "1x1" heissen und warum, das lernen die meisten noch schnell genug. Dass man für Geld arbeiten muss und was, statt einfach die hohle Hand hinzuhalten, das lernen sie auch. Und auch dass man Geld braucht um etwas zu knabbern oder sogar zu schlemmen beschaffen zu können, und den Unterschied.

in der Schule

Zu den Freunden der Schule gehören auch einige gelernte Lehrer und Lehrerinnen, die den Autodidakten mit Rat und Tat beistehen, besonders aber mit dem Fotokopierer. Mit dem lassen sich aus Schulbüchern und Ähnlichem speziell geeignete Lese- und Rechenstoffe stibitzen, und weitere (einheimische) Freunde haben uns soeben Farbstifte und Kreide geschenkt. Es ist eine Freude, den Kindern beim Bemalen der fotokopierten Vorlagen zuzusehen. Und dazu wird natürlich eifrig über das Wesen der dargestellten Dinge gelehrt. Zum Beispiel dass das eine Mango ist, warum das Quartier La-Kou-Mango heisst, wie man die anbaut, verkaufen, zubereiten und essen kann.

Die Kinder lernen dass man nicht lügt und stiehlt, dass man pünktlich ist und die Uhr kennt und befolgt, dass man "Guten Tag" und "Auf Wiedersehen" sagt, dass man nicht nur die Hände sondern auch sich selber eifrig wäscht, wie man die Zähne putzt und dass man saubere Unterhosen trägt. Und was sich sonst noch alles gehört, ESMONO zeigt, dass Goldwert nichts kosten muss.

Ich offeriere Links und PR-Leistungen für seriöse Firmen in meinen Internet-Seiten, gegen freiwillige Spenden für die Schule, das hat erstmals funktioniert und wird uns Schulbücher finanzieren. Und ich habe ein Buch geschrieben, "Schule unter dem Mangobaum". Das Buch ist dieser Schule gewidmet, wird nächstens erscheinen und soll ihr zum Überleben über meine Zeit hinaus helfen.

Was die Schule sonst noch für die Zukunft braucht? Neben materiellen Mitteln, staatlicher Anerkennung, einem eigenen Bankkonto, einer eigenen Wasser- und Stromleitung (alles in Vorbereitung) vor allem Leute behalten wie die, die sie schon hat.

Und indessen läuft das 2. Schuljahr, mit Büchern aus den ersten Spenden.

Mehr Fotos

Siehe auch Face-Book "Soleil sur Montagne Noire"

KOMM MIT ZUR ESMONO IN LAKOU-MANGO!!!!

Auch bescheidene Spenden sind willkommen. Jeder Franken kommt der Schule für arme Kinder zugut. Dafür bürgen

Prof. Dr. Angela Knauer, Dirk Knauer, Melissa Charles und Otto Hegnauer. Danke!

Hegnauermarken

mit Sternen gepflastert

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