Kolumnen von Otto Hegnauer


Landschule unter Blätterdach

Esmono News 3 Signet ESMONO News

Signet ESMONO

(ESMONO=Ecole Soleil sur les Montagnes Noires=Schule "Sonne über den Schwarzen Bergen"=Schule für Kokorat=Strassenkinder )

Koordinaten der Schule nach Google-Earth 18°29'57.04" N / 72°17'6.06" W

Falls du Google Earth installiert kannst du hier klicken oder ins Suchfeld "soleil sur montagne noir" hineinkopieren oder eingeben (NICHT "noire" ... ), kannst du sogar hinfahren und "Erfahrungsberichte" anklicken.

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Den Sommer verlängert

Schulbeginn am 1. Oktober

(01. Okt. 2012)

Die Regierung handelt. Nachdem sie seit es Zeitwechsel gibt, erst dieses Jahr die Sommerzeit anerkannt hat, hält sie sich nun auch nicht mehr an die Jahreszeiten. Sie hat den Sommer nicht abgeschafft, aber verlängert. "Aus technischen Gründen". Die Medien munkeln zwar, die wahren Gründe seien Ersparnisversuche, man wolle die Zahlung der Lehrersaläre für einen Monat vermeiden. Da ist ESMONO in einer komfortableren Lage. Bekanntlich werden jetzt nach einem ersten salärlosen Lehrerjahr bescheidene Löhne bezahlt. Liebe Leser haben uns die Lehrersaläre bereits gespendet und damit den Schulbetrieb auf ein weiteres Jahr hinaus gesichert. Danke! Da auch sämtliche Schulbücher durch eine Leserin vorfinanziert wurden und das Schulhaus auf drei Jahre vertraglich gesichert ist, sollte eigentlich nichts mehr passieren, und ESMONO ist auch für das zweite Jahr finanziert.

Und dass die Spenderin der Schulbücher eine einheimische Industrielle ist, werte ich - und ich glaube wir alle - als besonderes Omen des Glücks, eines Grundsteins des Brückenbaus zwischen den sozialen Schichten. Diese Entwicklung ist das, worauf die Welt gewartet hat, und die Strassenkinderschule von Lakou-mango ist dankbar, dazu wenigstens einen Baustein beitragen zu dürfen.

Die ESMONO ist eigentlich eine private Schule, aber die Eltern halten sich an Beschlüsse der Regierung, und so mussten auch unsere Knirpse noch warten. Hier sind sie traurig ob den verlängerten Ferien, in Europa würden sie sich freuen.

Es brauchte etwas positive Denke, ESMONO zum Laufen zu bringen. Der Anfang war schwierig wie aller Anfang, aber es war nie unmöglich. Die Freunde wollten zuerst sehen, was mit ihrer Hilfe geschieht. Dass aus den Spenden etwas Brauchbares wird, sie nicht versickern, oder "verzaubert" werden. Kinder und Eltern WOLLTEN ja eine Schule, auch wenn im ersten Jahr niemand Geld oder Ausbildung hatte, die Lehrer begannen ohne einen Beruf und ohne Lohn. Sie fronten so ein Jahr lang und zeigten den Knirpsen eben das, was sie konnten.

Das Warten hat sich gelohnt. Dank spendefreudigen Freunden haben wir die Löcher gestopft, die Mauern ausgebessert, auf dem Dach eine Latrine gebaut. Neue Schulmöbel wurden gezimmert, Bücher gekauft, das Lehrmaterial erneuert, und drei Lehrerinnen stehen bereit. Wir diskutieren an einer vierten. Sie sind ausgebildet und werden bezahlt, ihr Lohn ist bescheiden, aber auf ein Jahr hinaus gesichert. Eine Küche und Essen gibt es halt noch nicht, vielleicht kommt das später mal.

Indessen ist Montag 1. Oktober 2012. Gestern Sonntag sollte unten in der Stadt gratis Schulmaterial abgegeben werden. Das war so attraktiv, dass sich die massierten Schulkandidaten zu erdrücken, zu vertrampeln und zu töten drohten. Fast wäre es so weit gekommen, im letzten Moment konnte die Polizei die Bleistiftverteilung blockieren und eine Katastrophe verhüten. Die Medien waren wie üblich dabei und haben alles übertragen. Wenn ich noch ein fahrbares Auto hätte, wäre auch ich dabei gewesen und ihr könntet jetzt Fotos sehen ...

Auch hier in Lakou-mango waren wir bisher (man sagt "Holz aalange", "auf Holz klopfen", "touch wood" usw. wenn man hofft, dass es bleibt wie es ist und nicht mehr schlimmer kommt) in einer besseren Lage, indem uns die Dörfler alles Schreibzeug gespendet hatten. Natürlich bin ich begeistert ob so lieber Leser, sie ziehen am gleichen Strick. Auch das Schulhaus ist unterwegs. Vorläufig noch ein SchulHÄUSCHEN.

Wir haben mit 40 Knirpsen begonnen. Aus 40 sind 100 geworden. Aber keine Millionen, deshalb lachen die Grossen. Unsere Mini-Arbeit dient ihnen als feine Ausrede, uns nichts zu geben. Sie vergessen zweierlei:

1. den Sofortbedarf, man kann die Strassenkinder nicht sich selbst überlassen bis fertig geplant und vorbereitet ist.
2. Vorbild und Anreiz zur Nachahmung:

Die Grossen, von Staaten und Botschaften bis zu Kirchen und Hilfswerken haben uns stets viel versprochen, aber noch NIE etwas gespendet (bis heute, dem 1. Oktober 2012). Sie spenden angeblich andernorts (wo es "rentiert") oder bleiben sitzen auf den Hilfsgeldern, die nach dem Erdbeben strömten. Meine Freunde und Leser brachten es allein fertig, bis zum Ende des zweiten Jahrs, das ist vorfinanziert. Die Zweifler und Meckerer sehen, die Schule läuft. Allen Crashpropheten zum Trotz.

Sagen zu Unrecht viele, "die Hilfe sei eingeschlafen". Das kommt wahrscheinlich vor, bei denen, die mit den grossen Kellen anrühren, sichtbar ZU gross. So schwindet das Vertrauen, und man will die nicht mehr unterstützen. Wir wünschen trotzdem den Grossen alles Gute, denn es braucht die auch, wir können hier oben nur unseren Hundert helfen. Aber es sind Millionen, die dringend Hilfe brauchen. Auch wenn die zuerst mal Millionen kostet, denn das können nur Profis. Und die fronen eben nicht gratis.

In den letzten Tagen haben uns ein paar grosse deutsche Tageszeitungen und Fernsehsender kontaktiert. Und es gibt auch schon Gegenreklame. In Das Spiel mit den Tönen schrieb ich "Megaphone spielen hier überhaupt eine grosse Rolle, fast jeder hat eines. Heute stieg ich in einer ganzen Kolonne von Megaphonisten den Grat hoch, ich war der Einzige ohne Megaphon. Für Bücher brauche ich ja keinen Elektroschnabel, und zudem sind die meinen auf deutsch."

Mitte September machten mich die Leute lachend einen Megaphönler abhören, der durchs Quartier zog und lautstark gegen die ESMONO wetterte. "Gottesgläubige Eltern, hütet Euch vor dieser lästerlichen Schule, schickt Eure Kinder nicht, die Gotteslästerer drücken Euch falsche Bücher in die Hand, aus denen man nichts lernt. Nehmt Gottes Wort aus der Bibel und lernt dies zu lesen, alle anderen Bücher sind Teufels Zeug. Behaltet Eure Kinder zuhause, schickt sie nicht in die Schule!" Und das Megaphon trällerte für Sekunden aus und der Spruch begann von vorn. - Die ESMONO ist schon so weit, dass man gegen sie Reklame macht. Etwas Besseres kann uns ja nicht mehr passieren! Wenigstens nach meiner Meinung. Eigentlich sollte ich jetzt einen Gegenspruch erfinden, wie man in der ESMONO lesen lerne, um die Bibel besser zu verstehen und so das Heil zu finden. Aber lügen will ich ja nicht. Und erst noch mit einem Anteil Wahrheit.

Man spricht über ESMONO, vielleicht springt ein Funke und zündet einen Flächenbrand. Ein Freund scherzte dazu "willst Du jetzt Haïti noch ganz zugrunde brennen?" Bereits kommen fast monatlich Freunde und Leser zu Besuch: aus der Schweiz, aus Deutschland, aus anderen Landen. Das ist es was mich ganz besonders freut.

Ich wiederhole: Es braucht nur positive Denker, und keine Meckerer. Der Anfang ist gemacht.

Da gehen die kleinen Kokorat (Strassenkinder; kreolisch kein Plural-s) nicht leer aus, für uns und andere Erdbebenopfer schreibe ich meine Bücher. Ihnen kommen sämtliche Einnahmen zugut. Wir sammeln auch Spenden für unsere kleine Schule und andere Opfer. Es bürgen

Prof. Dr. Angela Knauer, Dirk Knauer, Melissa Charles und Otto Hegnauer. Danke!

Mystal C.Melise Kto.1711038636 Sogebank Truitiers Haiti SWIFT SOGHHTPP


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