Kolumnen von Otto Hegnauer


Landschule unter Blätterdach

Esmono News 3B (special) Signet ESMONO News

Signet ESMONO

(ESMONO=Ecole Soleil sur les Montagnes Noires=Schule "Sonne über den Schwarzen Bergen"=Schule für Kokorat=Strassenkinder )

Koordinaten der Schule nach Google-Earth 18°29'57.04" N / 72°17'6.06" W

Falls du Google Earth installiert kannst du hier klicken oder ins Suchfeld "soleil sur montagne noir" hineinkopieren oder eingeben (NICHT "noire" ... ), kannst du sogar hinfahren und "Erfahrungsberichte" anklicken.

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Die ESMONO

Die ESMONO platzt aus den Fugen

(10. Okt. 2012)

KOMM MIT ZUR ESMONO IN LAKOU-MANGO!!!!

Hunger

Und auch ich platze fast vor Freude, auch wenn ich hoffe, noch nicht aus allen Fugen zu geraten. Die 100 Schüler, deren Dokumente wir gesammelt haben, sind bestimmt da, auch wenn sich die Zwirbel schwer zählen lassen. Und die Lehrerinnen haben zu viel Energie um sich bremsen zu lassen, Bremsen und Bürokratismus überlassen wir dem Staat.

Heute habe ich die profilierten Schweizer Wanderschuhe ausgegraben und angeschnallt. Ich konnte den Gwunder nicht mehr verkneifen und bin runtergekraxelt in die Schlucht, um für meine lieben Leser, denen das alles zu verdanken ist, einen Bilderbogen aufzunehmen.

Es ist eng. Nebeneinander müssen Treppen, Steigen zur Schule und ein Wildbachkanal Platz finden, der zu Zeiten unter der "Brücke", die bei trockenem Wetter mit geländegängigen Fahrzeugen zugänglich ist, hervordonnert und durch Kanal und Verbauungen talwärts zischt.

Planer und Denker haben hier gute Arbeit geleistet und ermöglicht, dass sogar unsere Schule gebaut werden konnte. Daneben hat sich auch etwas "Wirtschaft" angesiedelt und man versucht das zu verkaufen, was man so in einer Schule brauchen kann.

In der Pause teilen die Besitzenden ein Butter- oder Mambabrot (Mamba=selbstgemachte Erdnussbutter, mundet herrlich) oder ein Bonbon, wie man hier eine zwiebackähnliche Brotkonserve nennt - in der Schweiz haben wir "Bundesziegel" gesagt - mit unglücklicheren Nichtbesitzenden, und jetzt muss ich aufpassen: die Tränen stehen mir zuvorderst, nicht weil ich mit momentaner Bindehautentzündung unter Tabletteneinfluss stehe, sondern weil von innen ein rührendes Chorgebet herausleiert: "Lieber Gott wir danken Dir für das Stück Brot das du uns gegeben hast. Gib bitte-bitte auch denen ein Stück die hungern und keines haben". So viel Kreolisch und so gut ausgesprochen dass sogar ich das verstehe.

Einige ganz Kleine versuchen zaghaft einen Gesprächsfaden zum "Blanc" aufzunehmen, und ihre Äuglein leuchten wenn ich etwas verstanden habe.

Noch rechtzeitig hat sich die Vergrösserung unserer Schule herumgesprochen, und die Spende für eine vierte Lehrerin ist eingetroffen, auf ein Jahr hinaus vorfinanziert! Die vier Lehrerinnen müssen den hundert Fünf-- und Mehrjährigen aufs Dach hinauf und in die Toilette und auch dort mehr als erwartet helfen, die älteren Schülerinnen kennen sich da besser aus. Sie helfen schon viel und tragen auch schwere Wasserkübel herbei, aber eine kinderliebende Helferin täte dringend Not.

die Schlucht

Die drei Zimmer, die ein örtlicher "Schreiner" fein möbliert hat, sind vollgepfropft bis auf den letzten Platz, und sogar vor den geöffneten Schulzimmertüren stehen Menschen Schlange und versuchen, auch noch einen brauchbaren Happen in den Kopf zu erhaschen. Im Übrigen ersehnen wir ja immer noch das kleine Holzschulhüsli, das samt Inneneinrichtung von der Schweiz unterwegs ist und so lange auf sich warten lässt. Das soll ja auf dem Dach aufgestellt werden und die überfüllten Schulzimmer entlasten. Neben den drei Zimmern gibt es jetzt auch einen Büroraum, der in einer rechten Schule "Rektorat" heissen würde. Da stehen ungenutzte Gaben wie ein Computer mit Flachbildschirm, ein Kopiergerät und andere lokale Spenden und warten auf Strom, aber solchen gibt es halt noch keinen.

Doch das kann und wird nicht mehr lange dauern, denn zum Lesen und Schreiben reicht das Licht in den "Schulhöhlen" keineswegs, und das wollen wir ja lernen.

es braucht noch allerhand

Die Schule wächst, die Zimmer sind am Zerspringen - Numerus clausus herrscht, noch viele warten, sie müssen draussen bleiben. Danke meinen lieben Freunden und Lesern, wir zeigen, was wir kürzlich noch kaum zu glauben wagten. Wir trotzen dem Weltgesicht!!!

aus den Schulzimmern

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Ist das nicht eine schöne Geschichte aus dem Land, aus dem man angeblich nie Schönes hört? Es gibt halt Menschen, die das Positive nie sehen wollen, oder nicht sehen können, die falschen Brillengläser tragen. ist es weil nur das Negative etwas bringt? Muss denn alles Geld bringen?

Ein Blick aufwärts zeigt fast einem Blindgänger, warum ich Hufe oder Steigeisen brauchen könnte, je nach Wetterprognose, die man sich hier natürlich vorwiegend selber macht und zur Schule hinunter kraxle, wenigstens hie und da. Da oben fast unter dem Himmel war es, wo ich vor 3 Jahren im obersten Stock - wohl weil mein Schutzengel das so wollte - gerade zugast war, als das Stockwerk und drüben in Gresye mein ganzes Haus und das Land zusammenkrachte und ich ohne eine Schramme überlebte.

Nach meiner Flucht in die Schweiz kehrte ich an den Ort des Grauens zurück, wohne immer noch im obersten Haus, das ich jetzt "Trümmerburg" nenne, und schreibe meine Meinung über das was hier geschieht, meine "Wahrheit" und meine Sicht. Die keineswegs der Sicht der Medien und damit der Welt entspricht. Ich schreibe meine Bücher für die "richtigen" Opfer, für die ich unten auf dem Schluchtgrund mit einheimischen Gutmenschen zusammen die Schule für Strassenkinder veranstalte. Kinder, die sonst kein Geld für einen Schulbesuch finden würden. Ich habe ja noch die AHV, die gut dotierte Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung aus der Schweiz. Die genügt für solche Vorhaben, und Millionär muss man ja nicht mehr werden. Dafür bieten Internet & Cie. genügend Spam und andere Spinnereien, wie Gutgläubige das über Nacht werden können.

Für die Familie, meine haïtianische Frau und drei Kinder, bleibt das Alterseinkommen von "meiner" Firma her gesichert, solange ich es noch mitmache, die werden sich damit wieder ein neues Haus in Gresye bauen, ich brauche das mitnichten. Ich brauche den Erhalt meines Kapitals, das sind meine Erinnerungen, quantitativ und qualitativ. Beides ist mein Reichtum, und an diesem fehlt es mir nicht, fehlte es mir nie.

Und selbst wenn ich einst posthum berühmt werden sollte, das ist ja einigen scheint's passiert, kommt alles Geld den Strassenkindern da unten zu Gute, das habe ich in den Verlagsverträgen so geregelt. Und Regeln sind alles ...

Ganz unten da ist ein bisschen Platz, der Lakou-mango, der Platz unter dem Mangobaum. "Lakou" (le cou = frz. der Hals) ist ein kleiner, flacher Platz, auf dem sich das Leben abspielt, das hier fast nur noch aus Palaver und Fussball besteht. Macht nichts, es zeigt dass man immer noch lebt, wovon, wozu, wie lang, ist eine andere Frage. Der "Platz" ist nicht nur räumlich gemeint, sondern auch als Lebensplatz. Gemeint ist die hier ansässige Lebensgemeinschaft schlechthin.

Das Lakou-System ist ein matriarchalisches Selbsthilfe- und Lebenssystem, die Lebens- und Familiengemeinschaft wird zu einer Erfahrungsgruppe. "Fam se poto mitan", die Frau ist der Mittelpunnkt, sagen die Haïtianer. Im "Lakou" werden besondere Probleme gelöst und wird gegenseitige Hilfe gewährt, bei Alter, Krankheit, Hunger oder Verwaisung. Waisenhäuser braucht es nicht, man ist sich das Teilen schon gewohnt, auch der Kinder. Auch der Ursprung unserer ESMONO (Ecole Soleil sur les Montagnes Noires) geht auf solche Gepflogenheiten zurück, denn es waren die Mütter der Strassenkinder, die eine Schule wollten und die kleinen Schützen auch das ABC lehrten. Du erinnerst dich, dass im ersten Schuljahr alle ohne Bezahlung fronten.

Der Lakou ist ebenso Fussball- und Vergnügungsplatz. Spielen dient zur Entspannung, meist in Gemeinschaft mit anderen. Geistige und körperliche Fähigkeiten und Regeln werden entwickelt, die Wünsche verschiedener Individuen werden geregelt. Spielen zeigt, dass das Leben stimmt und weiter geht.

Fussballplatz

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Da gehen die kleinen Kokorat (Strassenkinder; kreolisch kein Plural-s) nicht leer aus, für sie und andere Erdbebenopfer schreibe ich meine Bücher. Ihnen kommen sämtliche Einnahmen zugut. Wir sammeln auch Spenden für unsere kleine Schule und andere Opfer. Es bürgen

Prof. Dr. Angela Knauer, Dirk Knauer, Melissa Charles und Otto Hegnauer. Danke!

Mystal C.Melise Kto.1711038636 Sogebank Truitiers Haiti SWIFT SOGHHTPP


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