Kolumnen von Otto Hegnauer


A Haïti fit for children
( Fit für Kinder, Motto der Geberkonferenz )

von Otto Hegnauer
( 20.4.2010 )

Die Hilfe soll vor allem den Kindern zugutekommen

"A Haïti fit for children" ( Fit für Kinder ) war das Motto der Geberkonferenz 2010 und zeigt, dass die Welt neben dem Wiederaufbau vor allem den Kindern und Jugendlichen des gebeutelten Landes helfen will. Vor einigen Tagen hat eine monströse Konferenz am Sitz der Vereinten Nationen in New York die Zahlung weiterer Gelder für den Wiederaufbau von Haïti, vor allem zugunsten der Kinder, Jugendlichen und Familien beschlossen.

Die internationale Staatengemeinschaft, die rudimentäre haïtianische Regierung und die vielen Spender- und Helferorganisationen geben ihr Bestes. Wasser, Nahrung und medizinische Betreuung standen bisher an oberster Stelle. Wenn dann mal die Grundbedürfnisse des Lebens befriedigt sind, konzentrieren sich die Anstrengungen auf die Erstellung von Waisenhäusern, Kinderhäusern und Schulhäusern. Danke der Welt, denn ohne grosszügige Mittel lässt sich GAR nichts machen. Aber die "zivilisierte" Welt kennt bekanntlich nur zwei Mittel, um Probleme zu lösen: das sind Geld und Waffen. Für die Kinderprobleme in Haïti wäre das also Geld; aber das genügt auch hier bei weitem nicht.

Schon vor dem grossen Beben war der Waisen- und Kinderschutz eines der vordringlichsten Probleme, und es wurden im ganzen Land Kinderdörfer betrieben. Jetzt sind viele davon zusammengestürzt, und die Zahl der Waisen hat sich vervielfacht. Neue Waisen- und Kinder"häuser" wurden in Form von Zelten oder Provisorien im Ausland errichtet. Dann müssen die unzähligen Waisenkinder überhaupt gefunden, gesammelt, betreut und wennmöglich ihren Familien zugeführt werden. Die Suche nach den Eltern und Angehörigen der Kinder ist eine schier unlösbare Aufgabe.

Die Hälfte der 9 Millionen Einwohner sind Kinder. 1000 von ihnen wurden nach ihren Bedürfnissen befragt. Als oberste Priorität ergab sich der Wunsch nach Rückkehr in die Schule. Aber Schulen bestehen nicht mehr viele, und an der Ausbildung von Lehrkräften hapert es enorm, viele sollen selbst Analphabeten sein. Auch braucht es jede Menge von Lehrern, die zuerst ausgebildet werden müssen. Und gut ausgebildete Lehrkräfte gibt es nur im Ausland, und die sprechen nicht Kreolisch. Und wenn in den neuen Schulen auch gleich die Klassengrössen gedrittelt würden, das müsste ja unbedingt sein, wären noch dreimal mehr Lehrkräfte auszubilden. Das dauert schon bei uns, wo ein mehr oder weniger akzeptables Vorniveau gewährleistet ist, seine paar Jahre. Die oberste Priorität der vier Millionen Kinder und Jugendlichen ist fast unmöglich zu bearbeiten.

Eine ganz hohe Priorität hat auch die Respektierung der Kinderrechte und die Verbesserung der Kinderschutzsysteme. Schon vor der Katastrophe war die Not der Kinder im Lande unbeschreiblich. Nach dem Erdbeben sind Millionen Kinder verletzt, traumatisiert oder verwaist. Viele geraten in die Hände von Menschenhändlern. Sie irren zu tausenden, allein und hilflos durch die Straßen. Sie sind obdachlos, und viele sind ohne jegliche Betreuung.

Die eingangs erwähnte, monströse Geberkonferenz hat dem verwüsteten Haïti zehn Milliarden US-Dollar Aufbauhilfe zugesagt, verteilt auf zehn Jahre. Kurzfristig kann das ärmste Land der westlichen Halbkugel mit mehr als fünf Milliarden Dollar für den Wiederaufbau rechnen. In den nächsten 18 Monaten wird der Hilfsbedarf auf 3,9 Milliarden US-Dollar und in zehn Jahren auf 11,5 Milliarden Dollar geschätzt. Venezuela versprach zwei Milliarden Dollar, die Europäische Union 1,6 und die USA 1,15 Milliarden Dollar. Russland, das Haïti bereits mit fünf Millionen Dollar unterstützt hatte, will weitere acht Millionen Dollar spenden. Soeben hat auch die Gruppe von Walt Disney 50 Millionen Dollar zugesagt. Doch mit Dollars allein können die dringendsten Probleme noch lange nicht gelöst werden.

( siehe auch :
Die Sendung Frank Elstner mit Otto Hegnauer nochmals sehen
Menschen der Woche, die Sendung

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