Kolumnen von Otto Hegnauer


Tiererlebnisse sind noch nicht vorbei!

Buchbeschreibung "Ottos Tiergeschichten", Wagner-Verlag, ISBN 978-3-86279-285-6

von Otto Hegnauer
(12. Okt. 2012)

Doppelbödig (noch im Bau)

Ottos Buch über seine Tiergeschichten ist Ottos Buch für seine jungen Leser, die nach «Von der Leseratte zum Erlebnisdrachen» und seinen anderen Büchern auch ihr Lesefutter haben müssen, denn darauf sind sie hungrig.

Und was würde sich besser eignen, als die Erlebnisse, die auch er zuerst als Leseratte verschlang, die ihm seine Pfleglinge in Aquarien und Terrarien schenkten und die sich mit Gleichaltrigen ergaben als er den Jugend-Tierschutz mit seinen Lagern gründete.

Daraus wurden sogar wilde Tiere. Zuerst tausende von Metern unter der Erde, für das Leben in ewiger Finsternis eingerichtet. «Autochthone» Höhlentiere, und weil Fremdwörter nicht Sache aller jungen Leseratten sind, hat Otto am Schluss ein Register eingerichtet, in dem die Fremd- und Fachwörter übersetzt sind. So kannst du erst noch stolz sein, Wörter gelernt zu haben, die die anderen nicht wissen.

Du lernst auch ganz besondere Tiere kennen, solche die die Rippen aussen tragen und 100 Gramm schwere Zebrakäfer, Fische die sich dressieren lassen und Tunnelvögel, die Abkürzungen durch die Alpen finden (wohlverstanden DURCH und NICHT ÜBER!), Vögel die zählen können und Füchse, die Schuhbändel stehlen.

Dann natürlich die Erlebnisse als Filmer im Schweizer Nationalpark, wie man mit Ärgern Murmeltiere zum «Pfeifen» bringt (das zudem ein SCHREIEN ist), wie die märchenhaft träumen können und wie Otto Junghirsche mit der Blockflöte lockt, fast wie einst "Der Rattenfänger von Hameln", unglaubliche Geschichten, und jetzt sogar Leseratten!

Es ist nie «Jägerlatein», wie üblich nach der Jagd. Nein, jedes Wort ist so erlebt, wie es sich für Otto abgespielt hat. Er zögert nicht, immer wieder auf Wundersames hinzuweisen, lehrt uns, dass sich Staunen vor dem Unerklärlichen geziemt.

Wir lernen Tito den Uhu und den weissen Hirsch kennen, lassen uns einschneien, um in der Morgenfrühe höher oben als die anvisierten Gemsen zu sein. Wenn der Winter einbricht, ist es Zeit, die kalte Schweiz zu verlassen und in wärmere Gefilde umzuziehen.

Am «nächsten» ist Afrika, da kann man notfalls mit minimaler Fährstrecke per Auto oder sofar Velo hingelangen. Dahinter kommt die Sahara, das grosse Sandmeer, zu Unrecht «Wüste» genannt. Denn die Wüste ist alles andere als wüst, die Landschaftsformen und -Farben gehören zu den schönsten der Erde, und nur der menschliche Unverstand konnte den Unnamen «Wüste» kreieren.

Auch die Schlangen, Skorpione, Vogelspinnen und andere Untiere ändern das nicht, und der vielleicht letzte Berberlöwe der Welt kann im Käfig besucht und gekrault werden. Hier muss keiner zuhause lügen, wenn er sich damit brüstet, einen Löwen gestreichelt zu haben.

Jeder will auch Kamel geritten sein, aber diesmal lügt er bestimmt, denn in der Sahara gibt es gar keine Kamele. Es sind Dromedare, die einhöckerigen Schiffe der Wüste, und die führen uns gefahrlos zu den Regenseen, die während Jahren austrocknen. Macht auch nichts, denn hier leben Fische und Amphibien, die sich während der Trockenheit einfach vergraben und irgendwann wieder auferstehen, einmal regnet es bestimmt.

Hegnauer überfliegt die Wüste und halb Afrika. Er landet auf Flugplätzen, wo die Affen Signale verstellen und die Flugzeugen mit Steinen bewerfen, oder wo vor der Landung zuerst die Tierherden verscheucht werden müssen.

Schliesslich lauern ganz unerwartete Gefahren auf den Fotografen. Während ein aus Versehen wachgetretener Löwe nur mit einem freundlichen Grunzen reagiert, kann sich die Besuchergruppe nur noch durch Bauchfall vor einer tödlichen Wespenwolke retten, die rasend schnell auf die Menschen zuschiesst und den Himmel zur Nacht verfinstert.

Finster ist es auch in der Höhle der 500 Elefanten, die im Mount Elgon an der ugandischen Grenze eine so grosse unterirdische Halle bildet, dass angeblich 500 Elefanten darin Platz finden und Salz lecken. Ob es tatsächlich 500 sind, lässt sich nicht nachprüfen denn es ist zu dunkel zum Zählen.

Am gleichen Vulkan macht sich ein Trupp Elefanten bemerkbar und schneidet Otto und seiner Gruppe den den Rückweg ab . Nach stundenlangem Warten im Gebüsch gelingt es den Parkwächtern schliesslich, die beharrlichen Tiere mit Trillerpfeifen wegzumobben.

Beim Besteigungsversuch des Ruwenzoris vom Kongo her gibt es in einer Hütte so viele Ratten, dass Rucksäcke und Vorräte aufgehängt werden müssen. Trotzdem gelingt den aufdringlichen Tieren der Zugriff zum ersehnten Frass, und selbst das ständige Totschlagen mit Knüppeln während der Nacht hilft nicht viel. Ein Loch in Ottos Rucksack zeugte noch lange davon, jetzt ist auch der Rucksack im Erdbeben von Haïti verschwunden.

In der Nähe leben ein paar Gorillas, gutmütige Tiere, die sich auf Spass verstehen und den sich nähernden, viel kleineren Menschen als sie es sind, interessiert zusehen. Für Ottos Tierporträts sind die Viecher jedoch nie nah genug, und vorsichtig versucht er sich näher zu pirschen. Schliesslich wird es dem Häuptling der Sippe, einem 2 m hohen Silberrücken-Mann, zu bunt, und er mimt ein paar kräftige Ohrfeigen in die Luft, mit 2-3 Schritten auf Otto zu, um den lästigen Knipser zu verscheuchen. Die ganze Besuchergruppe verschwindet innert Sekunden, und die Gorillas haben wieder Ruhe.

Drüben in Kenya gibt es sehr berühmte Nationalparks, wo Millionen von Touristen ziemlich alle Tiere sehen können, die Afrikas Bühne bietet. Viele der Touristen wären allerdings besser zuhause geblieben, von denen die mit plötzlich aufschreienden Bébés allen anderen die Leoparden verscheuchen, auf die sie nächtelang gewartet haben, bis zu denen, die sich von Adlern vermeintlich Sandwichbrote aus dem Mund holen lassen und dabei verletzt werden, oder von denen, die glauben die scheinbar regungslosen Krokodile seien ausgestopft oder die die Affen zum Diebstahl reizen.

Die stehlen nämlich mit Bedacht Dinge, die die Touris dann am meisten vermissen. So können sie nachher das ulkigste Theater geniessen. So der Affenknirps, der mit dem gestohlenen Handtäschchen einer Dame hoch auf eine Akazie springt, das Täschchen mit Kennerblick auspackt und die Dinge genüsslich zu Boden schmeisst. Nicht so den Reisepass, das Äffchen scheint sich in Dokumenten auszukennen: den öffnet und durchblättert es neugierig, bevor es ihn kreischend der ebenfalls kreischenden Dame vorschwenkt und dann damit verduftet.

In einem andern Park kann Otto mit seiner Begleitung gerade noch rechtzeitig die Fenster schliessen, bevor ein Trupp halbwüchsiger Löwenbengel das Auto besteigt und vergeblich nach den Insassen angelt. Das Intermezzo dauert seine Zeit.

Auch Amerika bietet spannende Erlebnisse, so mit Grizzlybären und einer Klapperschlange, und schliesslich führt die Reise nach Haïti. Dort begegnen wir einer Walschule, und Delphine erfreuen uns mit ihren Tänzen. Begleitende Forscher behaupten, ein Wal hier kommuniziere mit einem Kollegen im Mittelmeer, wie, wissen wohl nicht einmal die Loas, so heissen die Vaudou-Götter.

Es war Jahrzehnte vor dem schrecklichen Erdbeben. Es gab angeblich noch Wildtiere, aber die waren so verfolgt, dass man sie kaum aufspüren konnte. Sie lebten ungemein versteckt, und Fachleute finden nur noch ihre Spuren. Zum Beispiel Schlangenhemden, wie man die umgestülpten Häute nennt, die Schlangen zuweilen an Hindernissen liegen lassen, wenn sie wachsen wollen.

Frösche und andere Amphibien und Reptilien sind bei passendem Wetter häufig anzutreffen, wenn auch nicht unbedingt die 14 cm langen Haïtianischen Riesenlaubfrösche. Anolis, Perleidechsen und vor allem Geckos an den Zimmerdecken sind überaus häufig und auch possierlich zu beobachten, aber die vorsintflutlich anmutenden Riesenechsen, die Iguanas, sollen zwar versteckt in Haïti noch leben, müssen aber vor allem in dominikanischen Nationalparks beobachtet werden, was dort unschwer möglich ist. Für Krokodile gilt dasselbe.

Das Baby einer Riesenschildkröte stammte aus dem Zoo von Miami in den USA und wurde heimtückisch rübergeschmuggelt, aber leider von meinem ungelenken Hausburschen Alson zutode getrampelt.

Vor dem Erdbeben konnte ich unten in der Küstenebene noch das drollige Spiel junger Mungos oder Marder und direkt vor der Haustür in der Luft stillstehende Kolibris beobachten, die in einem kugeligen Hängenestchen ihre Jungmannschaft fütterten. Auf der Spitze der Königspalme neben meinem «Türmli» (sd=Türmchen) schwatzte ich oft mit einer Madan Sarah um die Wette, wir «verstanden» uns trefflich. Madan Sarah sind grosse schwarze Rabenvögel und geschwätzige Marktfrauen, und – da du ja in der Schule Schreibregeln für Französisch lernst - "madan" ist Kreolisch und nicht französisch und deshalb kein Schreibfehler.

Eulen unter meinem Bett

In einem unter dem Terrassenboden eigentlich für Fledermäuse geschaffenen Hohlraum (Bild oben zeigt ihn noch im Bau, später war dieser nur noch für Flugkünstler durch Mauerlöcher zugänglich) hatten sich Schleiereulen eingenistet, die jährlich ihre Babys aufzogen. Einmal war eines abgestürzt; im Buch wird beschrieben, wie die komplizierte Rettungsaktion erfolgreich verlief, was da vorging, ist schlechthin unglaublich.

Die Geschichte «Kopf ab dem Ammonshorn» ist die letzte zum Schmunzeln. Sie erzählt, wie eine Versteinerung die Bewohnerschaft meines Hauses in Angst und Schrecken versetzte, wie das vermeintliche Tier gemeinsam bekämpft und der stenerne Kopf abgeschlagen wurde.

Dann kam der berüchtigte 12. Januar 2010, an dem ich zum Glück ausgezogen war, um eine Autokupplung zu wechseln, und so überlebte. 316.000 Menschen überlebten nicht. Das Jahrtausendschicksal liess mich Geschichten über Tiere erzählen, die Erdbeben vorausspüren sollen und in gewissen Ländern schon Alarme ausgelöst hätten. Ich hatte gar nicht beachtet, dass die sonst in den Palmwipfeln ansässigen Riesenschlangen ausgezogen waren, aber ich hätte diese Geschichte ja doch nicht geglaubt ...

Da ich in meinem Paradies, als das noch war, auch etwelche Haustiere gepflegt hatte, gebührt auch ihnen ein Platz in dem Buch. Da sind vor allem die Geschichten um meine Deutsche Schäferhündin Ata, die das Erdbeben tatsächlich vorausgespürt hätte, sei sie doch einige Sukunden vorher von ihrer Dach-Freilauffläche abgesprungen, was sie noch nie getan hatte, wohl um mich zu suchen. Vermutlich raste sie in panischer Angst in ein Auto, die wohl ebenfalls in Panik die Strasse verstopften und wohl alle den Tod fanden.

Unter den 50 Tiergeschichten befinden sich auch 15 Hunde- und 3 Katzengeschichten. Vor allem Geschichten von meiner Ata, wie sie das erste Lebensjahr erlebte, mehr erlebte sie leider nicht. Etwa wie kreisende Reiher das schwimmende Schäferhündchen – nur noch das Kugelköpfchen schaute aus dem Wasser – mit einem Fisch verwechselten und im Sturzflug niederstiessen, um die vermeintliche Abwechslung im Speisezettel zu knacken. Nur mit einem Huronengeheul Ottos und seiner Begleiter konnte ein Luftangriff verhindert werden.

So überstürzten sich täglich lustige und traurige Erlebnisse und formen aus Hegnauer einen Menschen, den wohl nichts mehr aus den Fugen bringt.

(siehe auch:
Lesefutter (mit Buchbesprechung)
Meine übrigen Kolumnen )

Wir bitten um Spenden für die Schule für Kokorat (Strassenkinder). Damit die auch LESEN, und vielleicht sogar SCHREIBEN lernen.

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