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Nur der Himmel stürzt nicht ein ( 8 )

Kein Wechselgeld

von Otto Hegnauer
( 30.1.2010 )

( auch publiziert am 30.1.2010 in
http://www.presse-kostenlos.de/kommentar-und-kolumne/himmel_1246168.htm &
http://latina-press.com/kolumne/swissfot-haiti/11220/kein-wechselgeld/ )

Unser Nest für 10 Tage. Für andere blieb es das länger.

Lieber Richard,

tut mir leid dass es nicht klappte mit dem Kaffee - war so kompliziert dass das eine eigene Geschichte wert ist. Melissa ist weg auf den Bus Richtung Chaos, auf der Suche nach der Bank; es ist wie wenn mir die rechte Hand fehlte. Es begann mit dem Taxifahrer Dani, der um 9 Uhr nicht kam wie vereinbart und offenbar nicht telefonieren konnte. Er sei irgendw von einem Polizisten festgehalten, machte ich ausfindig, vielleicht ein verschmutzter Kleber oder ein anderes "Schwerverbrechen".

Es war 9 Uhr 30. Toni besorgte mir einen anderen Taxi, aber ich hatte nur 2000 Pesos vom Darlehen der Botschaft für die Erdbebenopfer und Totalverlierer, und niemand, aber auch gar niemand hatte Rückgeld. Die Hotelsekretärin ging weg auf die Suche, aber wurde nicht fündig. Der andere Taxichauffeur arbeitete neue Vorschläge aus, samt Transport und Warten in Boca Chico.

Aber 2000 Pesos reichten nicht ganz. Toni fand, ich gehe besser zur Bank ein US-Nötchen wechseln. Aber ich wusste, dass das jedesmal eine halbe Stunde braucht, mit Passeportkontrollen und Schlangestehen und so. Und mit dem Hin- und Rückweg nochmals so eine. Und ich war bereits eine halbe Stunde verspätet, das hätte dann eineinhalb Stunden bedeutet, nach Adam Riese. Und die Diskussionsrunde wurde grösser und grösser.

Schliesslich kam ein Polizist dazu, nochmals ein anderer. Der hielt mich zwar nicht fest wie den Dani, aber er liess mich doch nicht gehen. Und er liess sich die ganze Geschichte abermals erzählen. Nach seiner Meinung war die Zielgegend eine der gefährlichsten in der Dominikanischen Republik, und es sei nicht zu verantworten einen nicht einmal Spanisch sprechenden Alten wie mich allein dort loszulassen. Er fragte mich, was ich da wolle. Als ich antwortete, bei einem Freund einen Kaffee trinken und ein Winterkostüm holen, lachte er und meinte, das gebe einen teuren Kaffee, hier bekäme ich ihn billiger, und ein Winterkostüm brauche es auch nicht... Der musste die Januar-Schweiz ja kennen !

Ich bat Toni, meine traurige Absage nach Boca Chica zu senden. Meinem Freund schrieb ich diese Zeilen. Indessen kam auch die Hotelsekretärin mit dem 2000 Peso-Nötli in der Hand, sie hatte kein Wechselgeld gefunden, und fast gleichzeitig, mit zwei Stunden Verspätung, tauchte der wieder freigelassene Dani auf und entschuldigte sich. So geht es, wenn man nicht Spanisch kann.

Und Richard rufe ich zu: "Musst halt den Kaffee heute alleine trinken, für Melissas Winterkostüm versuche ich anderswo fündig werden. Glückliche Reise nach Haïti, und pass auf dort !"

( Richard ist der Redaktor der Kuba-Site :
Caribation

Fortsetzung :
Kein Geld, kein Platz

in Vorbereitung :
In Haïti stehen die Naturgesetze Kopf

siehe auch :
Spielfeld der Hexen, Teufel und Gespenster
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