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Sie können nicht schreiben, aber malen und singen !

von Otto Hegnauer

(27.1.09)

(auch publiziert am 27.1.2009 in http://www.presse-kostenlos.de/kommentar-und-kolumne/schreiben-malen-singen_2217208.htm
http://www.hispaniolanews.de/joomla/index.php?option=com_joomlaboard&Itemid=38&func=view&id=6338&catid=6

Das Staatssekretariat für Alphabetisation

Schule für Kinder und Erwachsene

Der Anteil der erwachsenen Bevölkerung, der lesen und schreiben kann, der "Alphabetisierungsgrad", liegt bei 48,8 %. Entsprechend beträgt die Analphabetenrate noch immer über 51,2 %. Der Kampf gegen den Analphabetismus ist eine der ersten Prioritäten der Regierung. Alle Kräfte des Landes werden eingespannt im Kampf gegen fehlende Lese- und Schreibkenntnisse. Diese müssen durch anhaltende Maßnahmen ein für alle mal ausgerottet werden.

Von Analphabetismus ist dagegen fast die ganze haitianische Kulturgemeinschaft betroffen, was auf der westlichen Hemisphäre selten geworden ist. Aber wie alles, so hat auch der Analphabetismus nicht nur Nach-, sondern auch Vorteile. Hörkultur, Vermittlung von Informationen über Musik, Sprech- und Puppentheater haben eine grössere Bedeutung als in schreibenden und lesenden Gesllschaften. Vor der Wahl des gegenwärtigen Präsidenten liess der Kandidat eine eigene, populäre Band auftreten, die Wahlpropaganda komponierte und präsentierte. Rap- wie auch klassische Lieder enthalten vorwiegend politische Stoffe oder wichtige Informationen, so über Abfallentsorgung, Entwaldung oder Hygiene.

Ich glaube, dass ganz allgemein in analphabetischen Gesellschaften die Hörkunst einen höheren Stellenwert erreichte. Man denke etwa an die europäischen Hofnarren, die afrikanischen Märchenerzähler, die singenden Nachtwächter oder hier in Haïti den "Blageur", ein Witze- und Geschichtenerzähler der weder an öffentlichen noch an privaten Festen fehlt. Veranstaltungen, Trinkwasser- und Medikamentenverkäufe, Hinweise auf Konzerte und Veranstaltungen und sogar Aufforderungen zum Gebet werden über Gesänge an Megaphonen verbreitet.

Auch die Berühmtheit der haïtianischen Malerei ist wohl eine Folge davon. Unter den Museen für Kreolische und Haitianische Kunst erwähne ich dasjenige von Port-au-Prince, dasjenige von New York, die "amtecc Art Galerie" oder die zahlreichen Bildergalerien in Haïti. Naive Malerei wird allnthalben in riesigen Strassenausstellngen ausgestellt, und Bilder sind das beliebteste Touristen-Mitbringsel aus Haîti. Hunderte berühmter Maler sind Haïtianer oder sind sogar in dieses Land gezogen, das sie besonders inspiriert: Saincilus Ismaël, Délouis Jean-Louis, Alix Dorléus und andere erlangten Weltruf.

Auch Metallskulpturen, Bildhauerarbeiten und Schnitzereien sind berühmt. Ich hoffe, dass der Alphabetisierungsprozess die künstlerische Naturbegabung dieses prachtvollen Volkes nicht beschädigt.

( siehe auch Andere Kolumnen ).


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